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Motorische Assessments in den ersten beiden Lebensjahren

Eine normale motorische Entwicklung in den ersten beiden Lebensjahren ist Ausdruck der physischen Integrität und Gesundheit des Kindes. Somit ist die Erfassung der motorischen Entwicklung in der kinderärztlichen Routine nicht weg zu denken. Die kontinuierliche Veränderung der Haltung von der Horizontalen zur Vertikalen und die Entfaltung zur eigenständigen Fortbewegung im Raum folgt beim Menschen eigenen Grundsätzen. Das Kind kommt von der liegenden in eine sitzende Haltung, krabbelt, stellt sich auf die Beine und beginnt zu gehen. Diese Meilensteine der motorischen Entwicklung zeigen auch beim gesunden Kind eine grosse interindividuelle Variabilität in der Sequenz, sowie dem jeweiligen Alter, in dem die Meilensteine erreicht werden. Eine von der WHO durchgeführte Longitudinalstudie in Ghana, Indien, Norwegen, Oman und den USA untersuchte beispielsweise 6 verschiedene Meilensteine der motorischen Entwicklung (freies Sitzen, Krabbeln, Stehen mit Unterstützung, Gehen mit Unterstützung, selbstständiges Stehen und selbstständiges Gehen) zwischen 4 und 24 Monaten1. So konnte gezeigt werden, dass sich bei 86 % der Kinder die motorische Entwicklung in einer ähnlichen Sequenz bestehend aus 5 Meilensteinen (Sitzen ohne Unterstützung – Stehen ohne Unterstützung – Gehen mit Unterstützung – Stehen ohne Unterstützung – Gehen ohne Unterstützung) entwickelt. Das Krabbeln erfolgte in abweichender Sequenz. 42% krabbelten vor dem Stehen mit Unterstützung, 44% danach. Die restlichen 14% der untersuchten Kinder krabbelten entweder gar nie (4.3%) oder zeigten ein gänzlich anderes Entwicklungsmuster, wie zum Beispiel ein «Bum-Shuffling» (9.4%). Das Erreichen der einzelnen Meilensteine zeigte eine grosse Variabilität – die errechnete erste bzw. 99ste Perzentile der einzelnen Meilensteine war wie folgt: Sitzen ohne Unterstützung 3.8 bzw. 9.2 Monate; Stehen mit Unterstützung 4.8 bzw. 11.4 Monate; Krabbeln 5.2 bzw. 13.5 Monate; Gehen mit Unterstützung 5.9 bzw.

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Autoren/Autorinnen
PD Dr. Sebastian Grunt, Entwicklung und Rehabilitation, Universitätsklinik für Kinderheilkunde, Inselspital, Bern

Ruth Stauffer Lacorcia

Sandra Frauchiger