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COVID-19: Masken tragen

Covid-19 |

Die Haltung von pädiatrie Schweiz/Kinderärzte Schweiz zum Tragen von Masken bei Kindern und Jugendlichen.

Im Rahmen der zweiten Welle steigen auch die Fallzahlen bei Kindern und vor allem bei Jugendlichen rasch an. Jugendliche sind gleich häufig Überträger wie Erwachsene. In mehreren Kantonen wurde deshalb die Maskenpflicht in der Schule ab der Sekundarstufe bzw. ab dem Alter von 11*-12 Jahren verfügt. Wir nehmen zu häufigen Fragen zum Maskentragen aus kinderärztlicher Sicht Stellung:

Ist Maskenpflicht ab 12 Jahren sinnvoll?

Ja. Ab 12* Jahren nehmen die Fallzahlen rasch und kontinuierlich zu. Wir empfehlen deshalb die Maskentragpflicht ab diesem Alter in allen öffentlichen Räumen, sofern die Abstandsregeln nicht zuverlässig eingehalten werden können. Dazu gehören das Schulgelände und der öffentliche Verkehr.

*11 Jahre in Kantonen mit Sekundarschule ab 11 Jahren (z.B. Tessin)

Sollte die Maskenpflicht generell auf über 6-Jährige ausgedehnt werden?

Nein. Wir unterstützen die generelle Maskentragpflicht für 6-12-Jährige gegenwärtig nicht, weil die Fallzahlen in diesem Altersbereich deutlich tiefer sind und das zuverlässige Tragen über mehrere Stunden schwieriger ist. Diese Empfehlung deckt sich mit derjenigen der EU.Stellungnahme des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)

Es gibt aber keine medizinische Kontraindikation. Wir empfehlen deshalb, die lokalen Behörden zu unterstützen, wenn sie Maskenpflicht für diesen Altersbereich verfügen. Das oberste Ziel ist, Schulschliessungen zu vermeiden.

Welche wirklichen Gefahren kann das Tragen einer Maske beinhalten?

Atemphysiologisch ist das Tragen einer empfohlenen chirurgischen oder Stoffmaske unbedenklich und im internationalen Konsens ab dem Alter von 2 Jahren sicher.

Siehe auch die Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie

Solche Masken verursachen weder Hypoxämie noch Hyperkapnie. Begründete Ausnahmen, die eine ärztlich verordnete Maskendispens rechtfertigen, sind selten (siehe unten).

Wann sollen Kinder im privaten Umfeld eine Maske tragen?

Bei Kindern ab 12 Jahren steigt das Risiko für Erkrankung und Übertragung des Virus auf andere Personen an. Entsprechend sollen besonders ältere Kinder und Jugendliche beim Kontakt mit besonders gefährdeten Personen die Abstandsregeln einhalten und Masken tragen.

Wann soll eine ärztliche Maskendispens ausgestellt werden?

Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist Maskentragen ab 12 Jahren, gegebenenfalls ab 6 Jahren, möglich und zumutbar. Medizinisch begründete Ausnahmen sind sehr selten und beschränken sich auf

  • akute schwere Dyspnoe (z.B. Asthma-Anfall).
  • schwere chronische Atemlimitation (siehe Stellungnahme SGPP).
  • schwere Störungen in Verhalten, Kognition oder Motorik, wenn sie das korrekte Tragen einer Maske oder das selbständige Abnehmen einer dislozierten Maske verunmöglichen.
  • Kontaktpersonen von hörbehinderten Menschen, sofern diese zum Sprachverständnis auf Lippenlesen angewiesen sind.

Ab welchem Alter sollen Patienten in der Kinderarztpraxis eine Maske tragen?

Generell empfehlen wir die Maskenpflicht für alle über 12-jährigen* Patienten. Zudem ist sinnvoll, die Maskenpflicht bei symptomatischen Kindern (Fieber, Husten) ab 6 Jahren zu etablieren (siehe auch KIS)

Alternativ können Praxen die Maskenpflicht individuell ab 6 Jahren festgelegen, wenn z.B. gefährdete Mitarbeiter*innen besonders zu schützen sind, oder wenn die kantonalen Behörden eine solche vorgeben.

Welche Arten von Masken sind für Kinder empfohlen?

Bezüglich der Materialqualität (chirurgische Maske oder industriell gefertigte Textilmaske) verweisen wir auf die Empfehlungen des BAG und der nationalen wissenschaftlichen Taskforce COVID-19. Über 12-Jährige verwenden die Maskengrösse für Erwachsene. Für unter 12-Jährige sind bei Bedarf Kindergrössen zu verwenden, damit sie korrekt sitzen.

Sollen Schüler mit Maske Sport treiben?

Es gibt in der Sportphysiologie nur spärlich Literatur zu dieser Frage. Die Studienresultate sind heterogen und beschränken sich auf gesunde junge Erwachsene. Körperliche Aktivität im leichten bis mittleren Intensitätsbereich ist durch das Tragen einer chirurgischen oder Stoffmaske nicht nennenswert eingeschränkt. Wir empfehlen deshalb, sportliche Aktivität bei Kinder und Jugendlichen im niedrigen Intensitätsbereich auch mit Maske zu fördern.

Wir danken der SGPP (Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie), SGKJPP (Schweizerische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie), ScolarMed CH (Schweizerische Vereinigung der Fachpersonen im schulärztlichen Dienst) sowie dem Schulärztlichen Dienst Kanton Zürich für ihre Mithilfe bei der Erarbeitung dieser Stellungnahme.

Christoph Aebi, Vorstand pädiatrie schweiz