Neues Beurteilungsinstrument
Bei Säuglingen tritt Gelbsucht häufig auf und ist meist harmlos. Eine anhaltende oder ungewöhnliche Gelbsucht kann jedoch auf eine neonatale Cholestase hinweisen. Die Bestimmung des konjugierten Bilirubins ist daher eine wichtige Untersuchung, um eine physiologische nicht konjugierte Hyperbilirubinämie von einer zugrunde liegenden hepatobiliären Erkrankung zu unterscheiden.
Ein erhöhter Wert an konjugiertem Bilirubin ist ein wichtiges Warnzeichen, das insbesondere auf eine Gallengangsatresie hinweisen kann. Diese seltene, aber schwerwiegende Erkrankung erfordert eine sehr frühzeitige Diagnose und Behandlung: Die Wirksamkeit der chirurgischen Behandlung und die langfristige Prognose für die Leber hängen eng mit dem Alter zum Zeitpunkt des Eingriffs zusammen.
Die systematische Messung des konjugierten Bilirubins bei allen Säuglingen mit Gelbsucht ermöglicht es, Risikokinder schnell zu identifizieren, den Diagnoseprozess zu beschleunigen und sie unverzüglich an ein spezialisiertes Zentrum zu überweisen.
Um Kinderärzt:innen, Allgemeinmediziner:innen und andere Fachkräfte an vorderster Front bei diesem Vorgehen zu unterstützen, steht nun ein neues Entscheidungshilfetool zur Verfügung: biliscreen.org. Dieses Tool soll die Interpretation der Ergebnisse erleichtern, die Erstversorgung leiten und eine schnelle und angemessene Überweisung der Patient:innen unterstützen, wenn dies erforderlich ist.
Die Früherkennung einer neonatalen Cholestase durch die Bestimmung des konjugierten Bilirubins bleibt somit eine einfache Massnahme mit grosser klinischer Wirkung, die die Prognose für Kinder mit Gallengangatresie deutlich verbessert.
Medizinisch-chirurgisches Team
Schweizerisches Kinderleberzentrum
Hôpitaux Universitaires Genève
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