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Empfehlungen zur Prävention und Therapie von Termin- und knapp früh- geborenen Kindern (> 34 SSW) mit erhöhtem Risiko einer perinatalen bakteriellen Infektion (early-onset Sepsis)

1996 wurden in den USA erstmals Empfehlungen zur Prävention von perinatalen Infektionen mit Streptokokken der Gruppe B (GBS) publiziert, welche in der Folge mehrmals revidiert wurden, letztmalig im Jahre 20101). Diese Empfehlungen führten zu einer deutlichen Abnahme der neonatalen GBS-Infektionen in den USA1), 2). Auch in anderen Situationen mit einem erhöhten neonatalen Infektionsrisiko (Chorioamnionitis, prolongierter Blasensprung) konnte ein positiver Effekt einer peripartalen Antibiotikaprophylaxe gezeigt werden3). In kürzlich publizierten Übersichtsarbeiten wird die Inzidenz der bewiesenen (positiver Erregernachweis) neonatalen early-onset Sepsis (Infektionsbeginn während den ersten 3 Lebenstagen) mit 0.76–0.9 auf 1000 Lebendgeburten beschrieben, wobei die effektive Inzidenz höher liegen dürfte (falsch negative Kulturen). Der Anteil der Infektionen mit GBS liegt zwischen 38 und 50 %2), 4), 5). Die Angaben betreffend Mortalität von Neugeborenen mit einer GBS Sepsis liegen zwischen 4 und 11 %, wobei frühgeborene Kinder eine deutlich höhere Mortalität aufweisen als Termingeborene1), 2). 2011 publizierte die American Academy of Pediatrics (AAP) die entsprechend angepassten Empfehlungen zur Betreuung von Neugeborenen mit einem erhöhten Risiko einer GBS-
Infektion6). 2012 publizierte die AAP zusätzlich erstmals Leitlinien für das Management von Neugeborenen mit allgemein erhöhtem Risiko einer neonatalen early-onset Sepsis7). 2001 wurden in der Schweiz Empfehlungen publiziert zur Betreuung von Neugeborenen von Müttern, die mit Streptokokken der Gruppe B kolonisiert sind. Neuere Daten und die 2010 revidierten Empfehlungen der CDC veranlassten die Schweizerische Gesellschaft für Neonatologie (SGN), eine Überarbeitung der Schweizerischen Empfehlungen zu fordern. Leider existieren aktuell in der Schweiz keine nationalen Daten betreffend Inzidenz von neonatalen GBS- Infektionen. Diese revidierten Empfehlungen für die Schweiz stützen sich mehrheitlich auf die 2010–12 publizierten Empfehlungen der CDC und der AAP1), 6), 7). Da die mütterliche Besiedelung mit GBS nicht der einzige relevante Risikofaktor für eine early-onset Sepsis des Neugeborenen ist, wurden die Empfehlungen erweitert betreffend Management von Neugeborenen mit allgemein erhöhtem Risiko für eine bakterielle Infektion.

Weitere Informationen

Autoren/Autorinnen
Prof. Dr. med.  Christoph Berger, Infektiologie und Spitalhygiene, Universitäts-Kinderspital Zürich, Steinwiesstrasse 75, 8032 Zürich

Eric Giannoni

Jane McDougall

Dr. med. Martin Stocker, Kinderspital - Luzerner Kantonsspital, Luzern