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Editorial

«… und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, …»

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft,  Präambel

Diese moralische Leitplanke unseres Landes möchte ich dem Editorial dieses Paediatrica Themenhefts Kinderrehabilitation voranstellen. Sie begründet und definiert die Solidarität, welche in unserer von Covid-19-geplagten Zeit zwischen den Generationen, zwischen den Menschen die Arbeit haben oder Ihre Beschäftigung verloren haben und zwischen den Gesunden und den Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen besonders gefordert wird.

Tanja Frey, Assistenzärztin in der Kinder-Reha Schweiz in Affoltern a. A., hat als Rollstuhlfahrerin den Pandemie-Lockdown aus zwei Perspektiven erlebt und berichtet uns in ihrem Op-ed darüber.  

Eine Faszination des Fachs Kinderrehabilitation besteht im Zusammenspiel zwischen Organfunktionen (Struktur/Funktion), deren Einfluss auf die Aktivität und letztlich Partizipation unserer Patienten –  immer und untrennbar im Zusammenhang mit den Kontextfaktoren stehend. Diese systemischen Beziehungen zeigt der Artikel über die pneumologische Rehabilitation von Thomas Spindler eindrücklich auf.

Im Interview mit den Neuropsychologinnen Carla Raselli und Karen Lidzba wird deutlich, dass Patienten mit Hirnverletzungen über die ganze Schulzeit bis hin zur beruflichen Eingliederung begleitet werden müssen. Ein erkanntes «Growing into deficit» kann wirkungsvoll gemildert werden. Im Artikel finden sich praktische Hinweise für die Kinderärztin.

Die Cerebralparese ist der häufigste Grund für eine motorische Bewegungsstörung im Kindesalter. Das im Aufbau begriffene Swiss-CP-Registry und erste daraus gewonnene Erkenntnisse werden von Anne Tscherter vorgestellt. Dieses Register führte bereits dazu, dass ein engerer Fachaustausch zwischen den verschiedenen Regionen und Disziplinen etabliert werden konnte.

Dass die infantile Cerebralparese – vehement propagieren wir das infantil wegzulassen –  und zahlreiche andere Behinderungen und chronische Krankheiten zu lifetime conditions geworden sind, zeigt der Artikel über Transition von Christian Kätterer.

Reha ist zwingend interprofessionell.  Die therapieverordnende Ärztin muss die therapeutischen Ansatzweisen kennen. Ein therapeutischer Artikel darf darum nicht fehlen. Kinder- und Jugendärzte, die sich um Kinder mit Behinderungen kümmern, finden ihre fachliche Heimat in der Swiss Academy of Childhood Disability www.sacd.ch. Sie ist international vernetzt mit der European Academy of Childhood Disability (EACD). Die Interprofessionalität der SACD spiegelt sich im ärztlich-therapeutischen Co-Präsidium. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich auch für niedergelassene Kinderärzte, da hier eine Sammlung nützlicher Flyer zu finden ist.

Würde ist ein zentrales Thema in Christoph Künzles  eindrücklichen Erfahrungsbericht über Reha in Indien. Sie mögen mir verzeihen, dass ich dieses Editorial – dem dramaturgischen Bogen folgend – auch mit einem moralischen Imperativ schliesse. Gerne möchte ich Ihnen die Lektüre der Behindertenrechtskonvention der UN (BRK) ans Herz legen. Diese kann auf www.edi.admin.ch eingesehen werden und enthält übrigens auch einen speziellen Passus über Kinder. Die BRK kann Ihnen als Argumentarium gegenüber Leistungsträgern dienen, berechtigten Bedürfnissen und der Würde der Ihnen anvertrauten Kinder, Nachdruck zu verleihen.

Mein herzlicher Dank gilt den Autoren und dem Paediatrica-Redaktionsteam, Ihnen wünsche ich eine interessante Lektüre. 

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Autoren/Autorinnen
Prof. Dr. med. Andreas Meyer-Heim, Kinder-Reha Schweiz, Universitäts-Kinderspital Zürich, Affoltern a. Albis