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Editorial

Die pädiatrische Nephrologie ist ein Fachgebiet mit vielen Facetten. Eltern mit einem noch ungeborenen Kind mit einer Nierenstauung, ein Frühgeborenes mit einer akuten Niereninsuffizienz, ein Kleinkind mit einem hämolytisch urämischen Syndrom, ein Kind mit Nierensteinen oder einer Hypertonie aber auch ein Jugendlicher mit einer Dialyse oder einer Nierentransplantation gehören genauso dazu wie Kinder mit Harnwegsinfektionen, angeborenen Fehlbildungen, einer akuten oder chronischen Glomerulonephritis sowie einer Einnässproblematik. Dazu kommt eine Vielzahl von genetisch bedingten seltenen Erkrankungen.

Die Faszination dieser Disziplin liegt nicht nur in der grossen Bandbreite der zu behandelnden Kinder, sondern auch in der Möglichkeit, Familien über eine lange Zeit zu begleiten sowie der Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit, dies insbesondere mit Kinderchirurgen, Radiologen, Infektiologen, Genetikern, Neonatologen, Geburtshelfern, aber auch Ernährungsspezialisten.

In den letzten Jahren hat die Medizin auch in unserem Fachgebiet grosse Fortschritte gemacht. Es ist uns eine grosse Freude, Ihnen mit diesem Heft entweder neuere Entwicklungen aufzuzeigen oder Themen zu beleuchten, die nicht alltäglich aber von grosser Relevanz sind.

Die Autorinnen und Autoren der Artikel kommen aus allen Landesteilen der Schweiz, sind alle Mitglieder der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Nephrologie (SAPN), in welcher die Kindernephrologinnen und Kindernephrologen der Schweiz organisiert sind. In dieser Arbeitsgruppe werden aktuelle Themen diskutiert, Vorgehensweisen und Therapien aufeinander abgestimmt, aber auch Richtlinien erarbeitet.

Kommt ein Kind zu früh, zu klein oder mit einem zu tiefen Geburtsgewicht auf die Welt, ist es vielen akuten Risiken ausgesetzt. Welche Probleme dabei im Verlauf des weiteren Lebens entstehen können wird im Artikel über mögliche Nachkontrollen bei Kindern mit dieser Problematik aufgezeigt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Langzeitfolgen betreffend Nieren sowie der Wichtigkeit der Prävention. Die Prävention ist auch bei Kindern mit einer Hypertonie, Nierensteinen oder einer akuten Niereninsuffizienz ein wichtiges Thema. Dies neben dem Erkennen der jeweiligen Krankheitsbilder sowie der adäquaten – von denen bei adulten Patienten stark abweichenden – Therapien.

Dem seltenen aber akut lebensbedrohlichen hämolytisch urämischen Syndrom ist ein weiterer Artikel gewidmet. Die Terminologie hat sich aufgrund neuerer pathogenetischer Erkenntnisse grundlegend geändert. Es gibt neue Therapieformen, insbesondere mit monoklonalen Antikörpern, welche die Prognose in ausgesuchten Fällen extrem verbessern.

Ein Patient braucht ein Nierenersatzverfahren oder eine Nierentransplantation: Ein Thema, mit dem die meisten Pädiater kaum konfrontiert werden. Wir erachten es trotzdem als wichtig, das Grundwissen zu vermitteln, damit Fragen von Patienten oder Eltern adäquat beantwortet werden können.

Der Artikel über Harnwegsinfektionen fällt etwas aus dem Rahmen – es handelt sich dabei weitgehend um eine Übersetzung der neusten Empfehlungen zur Behandlung von Harnwegsinfektionen bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Diese Konsensus Empfehlungen wurde von den Mitgliedern der Pädiatrischen Infektiologiegruppe Schweiz (PIGS), der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderurologie (SwissPU) und der Schweizerischen Arbeitsgruppe für pädiatrische Nephrologie (SAPN) erarbeitet und im European Journal of Pediatrics publiziert.

Wir haben diesen Beitrag hier integriert, da es sich um eine sehr häufige und wichtige Erkrankung in der pädiatrischen Praxis handelt und wir Ihnen die neuen Empfehlungen an dieser Stelle gerne vorstellen.

Den Autorinnen und Autoren danke ich herzlich für ihr Engagement und Ihnen – liebe Leserinnen und Leser – wünsche ich eine spannende und lehrreiche Lektüre.

Weitere Informationen

Korrespondenz:
Autoren/Autorinnen
Dr. med. Regula Laux-End, Abteilung Nephrologie, Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen