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Editorial

Themen rund um Ernährung sind hype – in Printmedien und mehr noch auf digitalen Kanälen findet sich so ziemlich alles, was sich zum Thema Ernährung sagen und behaupten lässt! Selbstredend, dass in einer solchen Flut von Ratschlägen, Empfehlungen und Behauptungen einen Überblick zu bewahren kaum mehr möglich ist.

Auch wenn Ernährung ein unbestrittener und essentieller Faktor der somatischen wie auch psychosomatischen Entwicklung jedes Kindes ist und ein ungesunder Ernährungszustand (Mangel- wie auch Überernährung) als Risikofaktor für viele Erkrankungen beziehungsweise Komplikationen gilt, ist die Erfassung der Ernährung und des Ernährungszustandes noch immer keine Selbstverständlichkeit in der ärztlichen klinischen Tätigkeit.

Das Wissen um bereits pränatale, dann vor allem aber auch postnatale Beeinflussung der individuellen langfristigen Gesundheit durch eine gesunde frühkindliche Ernährung (early-life nutritional programming) ist in den letzten Jahren exponentiell gewachsen. Hierbei sei auf das Schlagwort des „Konzepts der ersten 1000 Tage“ verwiesen. Auch mit Blick auf die faszinierende Thematik der Konstituierung und Beeinflussung der intestinalen Microbiota und Rolle derselben in Gesundheit (Eubiose) und Krankheit (Dysbiose) muss der Stellenwert unserer Ernährung in ein ganz anderes Licht rücken lassen. Mit diesem Hintergrund bleibt es erstaunlich, dass eine systematische Ernährungslehre in Aus- und Fortbildung unseres ärztlichen Berufs noch immer eine stiefmütterliche Stellung zukommt, sei es während des Medizinstudiums, aber auch in der Facharztausbildung zur Kinderärztin/zum Kinderarzt. Es ist unserer Fachgesellschaft deshalb ein Anliegen, nebst den thematischen Säulen „Kindergastroenterologie“ und „Kinderhepatologie“ auch der Ernährung ihren zentralen Platz in Lehre, Klinik und Forschung geben zu können. Dass dies in unserer Fachgesellschaft gelebt wird, zeigt sich unter anderem in der schon seit der Gründungszeit aktiven Beteiligung von Kindergastroenterologen in der Ernährungskommission, oder dem Mitwirken in der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), dem Nutrition Committee der ESPGHAN, neu auch der Gesellschaft für klinische Ernährung (GESKES) und vielen anderen Orten mehr.

Als aktueller Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (SGPGHE) freut es mich sehr, Ihnen mit dieser Ausgabe der Paediatrica ausgewählte Themen aus der Ernährungsmedizin zur Lektüre anbieten zu dürfen. Die lose Auswahl widerspiegelt die ausgesprochene thematische Breite dieses Querschnittbereichs, beginnend von allgemeinen Ernährungsempfehlungen für eine gesunde (Kinder-)Population, über Ernährungsevaluation und -therapie bei ausgewählten neurologischen oder gastrointestinalen Erkrankungen bis zu hochspezialisierter Ernährungstherapie, welche bei schwer kranken Kindern in Form einer parenteralen Ernährung notwendig werden kann.

Ich möchte den Autorinnen und Autoren der Artikel dieses Schwerpunkthefts Ernährungsmedizin an dieser Stelle mein herzliches Dankeschön für ihr Engagement aussprechen – und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser eine spannende, lehrreiche Lektüre wünschen!  

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Korrespondenz:
Autoren/Autorinnen
Dr. med. Pascal Müller, Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen