Fachzeitschrift >

Vorwort Update Empfehlungen Hörscreening Schweiz

Hörscreening |

Die Einführung eines beidseitigen Hörscreening mag für viele überraschend sein, ...

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir freuen uns, die neuen Empfehlungen zum Neugeborenen-Hörscreening zu publizieren. Diese Empfehlungen wurden durch die Audiologische Kommission der Schweizerischen Fachgesellschaft für Hals- Nasen- Ohrenkrankheiten (SGORL) nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen überarbeitet und in Rücksprache mit dem Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie SGP und  der Schweizerische Gesellschaft für Neonatologie SGN besprochen. Was sind nun die wichtigsten Neuerungen für den niedergelassenen Kinderarzt, den Neonatologen oder den auf dem Wochenbett diensthabenden Kinderarzt?

Die Einführung eines beidseitigen Hörscreening mag für viele überraschend sein, hiess es doch bisher, dass ein bestandenes Ohr im OAE-Screening (Otoakustische Emmissionen) ausreichend sei. Wie die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen aus anderen Ländern hingegen zeigen, ist dies nicht mehr zeitgemäss. Zudem ist mit dem neuen Update zum Neugeborenen-Hörscreening ein Leitfaden für den Kinderarzt entstanden, wie er bei auffälligen Befunden oder bei Risikokinder vorgehen soll. Dass dies wahrscheinlich zu vermehrten Untersuchungen beim Kinderarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt führen wird, ist nicht vermeidbar. Dennoch dürfte dies aus Sicht des Kindeswohl durchaus gerechtfertigt sein, da die Häufigkeit einer angeborenen Schwerhörigkeit mit 1 – 2 Neugeborenen pro 1’000 angegeben wird1)2). Dies würde in etwa 80 – 160 Neugeborenen Kindern in der Schweiz pro Jahr entsprechen und vergleichbar sein mit der Anzahl identifizierter Fälle im Neugeborenen-Screening3).

Ob sich allenfalls niedergelassene Kollegen ein zusätzliches Gerät zur Messung der OAE anschaffen sollen oder werden, wird sich zeigen. Es gibt bereits vereinzelte Kinderarztpraxen, die den Service eines Neugeborenen-Hörscreenings anbieten. Abrechenbar ist die Leistung unter der Tarmed-Position 03.0560 (Registrierung otoakustischer Emmissionen, beidseitig, beim Kind/Jugendlichen bis 18 Jahren durch den Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin; mit Zuschlag 03.0570 beim Kind bis 7 Jahren).

Vereinzelt wurde das beidseitige Hörscreening bereits vor Veröffentlichung der neuen Empfehlung eingeführt, was bei einigen entsprechend zur Verwirrung führte. Diese Lücke dürfte nun durch den Leitfaden geschlossen sein. Die SGP ermuntert ihre Mitglieder, die Empfehlungen umzusetzen, auch wenn es anfänglich zu möglichen Schwierigkeiten und Kapazitätsengpässen führen könnte. Gemäss Erfahrung aus dem Universitätsspital Zürich hat sich seit der Einführung des beidseitigen Screenings 2016 ein moderater Anstieg der Nachkontrollen von Neugeborenen von 2 % auf 4 – 5 % gezeigt.

Referenzen

  1. Metzger D, Pezier TF, Veraguth D. Evaluation of universal newborn hearing screening in Switzerland 2012 and follow-up data for Zurich. Swiss Med Wkly. 2013;13;143:w13905. doi: 10.4414/smw.2013.13905. eCollection
  2. Erenberg A, Lemons J, Sia C, Trunkel D, Ziring P. Newborn and infant hearing loss: detection and intervention. American Academy of Pediatrics. Task Force on Newborn and Infant Hearing, 1998–1999. Pediatrics 1999;103:527–30. 
  3. Jahresbericht 2017, Neugeborenen-Screening Schweiz

Weitere Informationen

Korrespondenz:
Autoren/Autorinnen
Dr. med. Dominique Gut-Eberle, Chinderarztpraxis, Luzern / Vorstandsmitglied SGP