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pädiatrie schweiz

Jahresbericht 2025-2026

Mein erstes Jahr als Präsident neigt sich bereits dem Ende zu; es ist kaum zu glauben, so schnell ist die Zeit vergangen.

Unsere Gesellschaft ist lebendig und wächst: Zählten wir vor einem Jahr noch insgesamt 3276 Mitglieder, sind es heute bereits 3361. Ohne die Verzögerungen bei der Titelvergabe durch das SIWF läge die Zahl der ordentlichen Mitglieder (derzeit 2675) sogar noch höher. Besonders erfreulich ist die steigende Anzahl der Assistenzärzt:innen (+ 60 im Jahr 2025). Dies ist essenziell, da sich eine Gesellschaft stetig erneuern und für kommende Generationen attraktiv bleiben muss. In diesem Zusammenhang haben wir an verschiedenen Workshops und Diskussionen teilgenommen – darunter ein Symposium sowie ein Treffen mit der IG pädiatrische Kliniken – die sich intensiv mit der Weiterbildungsthematik befassten. Ein Positionspapier, welches das Symposium zusammenfasst, wurde bereits veröffentlicht; ein weiteres für die IG wird folgen. Das Ziel ist es, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den betrieblichen Anforderungen der Kliniken (insbesondere dem Zeitaufwand für die Patientenversorgung) und einer optimalen Ausbildung unserer jungen Kolleg:innen zu finden. An dieser Stelle gilt ein herzlicher Dank ihren Vertreter:innen im Vorstand und in den Arbeitsgruppen sowie den Chefärzt:innen für ihre Aufgeschlossenheit. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, die trotz knapper Budgets für alle Beteiligten tragbar sind.

pädiatrie schweiz engagiert sich weiterhin stark für die Weiter- und Fortbildung; der Kongress in Lausanne ist ein schönes Beispiel dafür, ebenso wie der Erfolg von «Paediatrica» – vielen Dank an die Redaktion. Die behandelten Themen stiessen bei der Leserschaft im Allgemeinen auf sehr positive Resonanz. Eine Ausnahme bildete die Ausgabe zur integrativen Pädiatrie: Diese löste vermehrt Rückmeldungen und Kritik aus, was wir in dieser Form jedoch bereits antizipiert hatten.

Unsere E-Learning-Plattform «bildung pädiatrie» erfreut sich wachsender Beliebtheit – sowohl bei unseren jungen als auch bei den erfahrenen Kolleg:innen. Sie ermöglicht es allen, die für den Erwerb oder die Verlängerung des Facharzttitels erforderlichen Credits zeit- und ortsunabhängig zu sammeln, was heutzutage eine unverzichtbare Flexibilität bietet.

Auf Antrag des Collège A haben sich die Weiterbildungs- sowie die Prüfungskommission mit der Struktur unserer Facharztprüfung befasst, die vereinzelt auch von Kandidat:innen kritisiert worden war. Im Zentrum steht dabei die Frage des Übergangs zur europäischen Prüfung, welche einheitlich auf Englisch durchgeführt wird und 120 Multiple-Choice-Fragen umfasst. Fünf Assistenzärzt:innen haben auf unsere Bitte hin im November 2025 an dieser Prüfung teilgenommen; alle haben bestanden, vier davon hatten im selben Jahr die Schweizer Prüfung auch erfolgreich absolviert. Die Prüfung deckte durch kurze, präzise formulierte klinische Fallbeispiele fast das gesamte Spektrum der Weiterbildung ab. Der Schwierigkeitsgrad wurde als angemessen und mit der Schweizer Prüfung vergleichbar eingestuft. Aufgrund interner Schwierigkeiten hat das SIWF jedoch ein Moratorium für alle Weiterbildungsprogramme und Prüfungsformate verhängt, was Reformen in diesem Bereich vorerst blockiert. Dennoch haben wir kürzlich beim SIWF angefragt, ob eine Teil-Ausnahmeregelung ausschliesslich für die Prüfung in Betracht gezogen werden kann. Die Antwort steht derzeit noch aus.

pädiatrie schweiz hat sich an vorderster Front für die Interessen von SwissPedDose eingesetzt. Deren finanzielle Unterstützung durch den Bund wurde via BAG per Ende 2025 abrupt eingestellt – nicht etwa aufgrund mangelnder Qualität, sondern wie so oft, aufgrund weitreichender Sparmassnahmen. Gemeinsam mit den Kliniken des Collège A (denen an dieser Stelle ein grosser Dank gebührt) stellt pädiatrie schweiz eine Mindestfinanzierung sicher, um das Fortbestehen des Projekts zu gewährleisten. Parallel dazu haben wir über unsere politischen Kontakte eine Gesetzesänderung beantragt: Diese soll festlegen, dass der Bundesrat dieses für die Arzneimittelsicherheit unverzichtbare Programm unterstützen muss und nicht nur unterstützen kann. Ein weiteres Treffen mit dem BAG ist für 2027 geplant; die Arbeiten im Hintergrund werden intensiv fortgeführt.

Das neue Tarifsystem TARDOC ist zu Beginn des Jahres in Kraft getreten. Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob es die von uns allen sehnlichst gewünschten und von der Politik grundsätzlich akzeptierten Tarifverbesserungen mit sich bringt. Während die ersten Rückmeldungen aus der Ärzteschaft tendenziell positiv ausfielen, stellt sich die Situation in den Spitälern – insbesondere in Bezug auf die Notfallstationen – differenzierter dar. Fortsetzung folgt.

Ein weiterer Dauerbrenner im Bereich der Berufspolitik bleibt der Fachkräftemangel in der Pädiatrie, insbesondere bei den niedergelassenen Ärzt:innen. Die beim ISPM der Universität Bern in Auftrag gegebene Studie von Prof. Claudia Kühni zeigt, dass das Problem real und bereits heute gravierend ist. Sowohl der Fragebogen für Fachleute als auch der Fragebogen für Eltern kommen zu diesem Ergebnis. Zudem bestehen grosse Unterschiede in der Dichte der pädiatrischen Versorgung (lateinische Schweiz vs. Deutschschweiz, Städte vs. Land), wobei es regelrechte pädiatrische Versorgungslücken gibt. Aus bekannten Gründen droht sich dieser Mangel weiter zu verschärfen, sofern keine Gegenmassnahmen ergriffen werden. Da die Universitäten bereits reagiert haben und mehr Mediziner:innen ausbilden, besteht die eigentliche Herausforderung nun darin, die jungen Kolleg:innen für die Grundversorgung – die Allgemeinmedizin und die Pädiatrie – zu gewinnen. Hierbei kommt den Spitälern eine Schlüsselrolle zu, ebenso wie der Förderung von Ausbildungsphasen in pädiatrischen Praxen. Es steht zudem ausser Frage, dass die Honorierung in der medizinischen Grundversorgung eine entscheidende Rolle bei der Berufswahl des Nachwuchses spielt. pädiatrie schweiz verfolgt dieses Dossier aufmerksam, insbesondere durch den Austausch mit der parlamentarischen Gruppe, die noch in diesem Jahr eine parlamentarische Initiative lancieren könnte.

Eine sehr wichtige Arbeit, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde, betrifft die neuen Wachstumskurven, die von der Arbeitsgruppe (PEZZ) von Prof. Urs Eiholzer vorgeschlagen wurden. Dank Ihres Engagements – ein grosses Dankeschön an Sie, die niedergelassenen Kinderärzt:innen in allen drei Sprachregionen der Schweiz – konnten diese neuen Kurven realisiert werden. Dank der Arbeit der Fachkommissionen (Adipositas sowie Wachstumskurven) sind wir nun kurz vor dem Ziel: Druck und Versand der Kurven erfolgen in Kürze. Eine sehr lange, mitunter schmerzhafte, aber letztlich erfolgreiche Geburt! Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich in diesem Dossier engagiert haben.

Ich lade Sie im Übrigen dazu ein, die Berichte der zahlreichen Kommissionen und Arbeitsgruppen zu lesen, die in unserer Gesellschaft aktiv sind. Die dort geleistete Arbeit ist sowohl quantitativ als auch qualitativ bemerkenswert. Ein Beispiel dafür ist die Arbeitsgruppe, die sich dem Gesundheitsheft und dessen Digitalisierung widmet – eine technisch (IT) wie auch finanziell (Sponsoring) komplexe Aufgabe, die jedoch gute Fortschritte macht. Ein herzliches Dankeschön an all diese Kolleg:innen, die so viel Zeit und Energie in diese Projekte investieren.

Ein weiterer, aus meiner Sicht sehr positiver Punkt ist die Zusammenarbeit mit uns nahestehenden Organisationen; ich denke dabei an Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe), Kinderärzte Schweiz und AllKids. Wir haben gemeinsam an zahlreichen Themen gearbeitet, darunter Impfungen in Apotheken, die Rolle und Stellung der Hebammen in der Versorgung von Säuglingen, Tarife, Weiterbildung und Fortbildung. Gemeinsam sind wir stärker – vor allem, wenn wir unsere Unterschiede und Besonderheiten respektieren.

Natürlich bleiben für uns Kinderärzt:innen und unsere Gesellschaft noch zahlreiche Herausforderungen bestehen. Der Vorstand an meiner Seite sowie die von Claudia Baeriswyl geleitete Geschäftsstelle in Freiburg – der ich an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte – sind sich dessen bewusst. Wir verfolgen diese Dossiers aufmerksam, im Sinne unseres gemeinsamen Interesses und vor allem zum Wohle unserer Patient:innen.

Unsere Jugend verdient eine starke pädiatrie schweiz! Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Ihre aktive Teilnahme und Ihren Zuspruch. Das brauchen wir alle in einer Welt, die durch die Schuld einiger Tyrannen aus den Fugen geraten ist.

Nicolas von der Weid
Präsident
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