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Editorial

Die Anfrage wieder einmal eine Ausgabe der
Paediatrica auf die Pneumologie zu konzentrieren,
hat die Schweizerische Gesellschaft
für pädiatrische Pneumologie (SGPP) sehr
gerne angenommen. Respiratorische Erkrankungen
gehören schliesslich zu den häufigeren
Gründen, warum Eltern Hilfe beim Kinderarzt
suchen. Drei der folgenden Artikel
beschäftigen sich mit den praxisrelevanten
Themen Husten, Asthma und Schlafstörungen
beim Kind. Der vierte Artikel liefert ein Update
über die primäre ziliäre Dyskinesie.

Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung
im Kindesalter und betrifft global circa
14% aller Kinder. In einer interdisziplinären
Arbeitsgruppe hat die SGPP zusammen mit
der PEMS (Pediatric Emergency Medicine
Switzerland) Empfehlungen zur Versorgung
und Therapie des akuten Asthmaanfalls beim
Kind ausgearbeitet. Die Motivation zu diesen
Empfehlungen war eine gefühlte Praxisvarianz
in den verschiedenen Notfallstationen und
Akutspitälern beim Umgang mit asthmakranken
Kindern. Wissenschaftliche Evidenz – wo
vorhanden – und Expertenkonsens unter Berücksichtigung
der Literatur und internationaler
Empfehlungen bildeten die Grundlagen für
diesen Artikel. Hervorheben möchte ich die
Empfehlung, die konservativen O2-Sättigungsziele
zu verlassen und einen unteren Grenzwert
von 90% zu akzeptieren bevor zusätzlicher
Sauerstoff verabreicht wird. Ebenfalls
gibt es kaum einen Grund für systemische
Steroide bei infektgetriggerter Obstruktion
bei Kindern unter 2 Jahren.

Prolongierter Husten ist eine häufige Ursache
elterlicher Sorge und Anlass für viele Arztbesuche
und das Thema des zweiten Artikels.
Husten führt zur Beeinträchtigung der Lebensqualität,
Schulabsenz und Schlafstörungen
beim Kind und noch mehr bei den Eltern.
Obwohl die üblichen Hustenmittel in der Regel
kaum Wirkung zeigen, erstaunt es immer
wieder, was diesen Kinder so alles verabreicht
wird. Ich bin überzeugt, dass sich viele Kollegen
nach dessen Lektüre in ihrer bisherigen
Handlungsweise bestätigt fühlen und da und dort doch noch auch Neues zu einem alten
Thema mitnehmen. Besonders herausstreichen
möchte ich zwei Punkte aus diesem lesenswerten
Artikel: 1. Trockener Husten ist
ohne begleitende Atemwegsobstruktion
höchst selten Ausdruck eines Asthma bronchiale
und 2. die protrahierte bakterielle
Bronchitis ist die häufigste Ursache von chronisch
produktivem Husten und rechtfertigt
einen etwas länger dauernden antibiotischen
Therapieversuch auch bei Fehlen der typischen
bakteriellen Infektzeichen wie Fieber
oder erhöhte Entzündungsparameter.

Im dritten Artikel wird auf das wichtige Thema
schlafassoziierter respiratorischer Störungen
bei Kindern eingegangen. Bei Kindern mit
prädisponierenden seltenen Grunderkrankungen,
wie progressiven Muskeldystrophien,
liegt diese Diagnostik und Therapie in der
Regel beim Spezialisten. Hingegen spielt der
Kinderarzt eine wichtige Rolle, gesunde Kinder
mit einem OSAS zu erkennen und einer
weitergehenden Diagnostik zuzuführen. Bei
gesunden Kindern ist eine apparative Therapie
der obstruktiven Schlafapnoe kaum je
notwendig. Herausstreichen möchte ich die
Botschaft, dass eine nächtliche Pulsoximetrie
ein OSAS weder verlässlich diagnostizieren
noch ausschliessen kann. Der Goldstandard
ist die Polysomnographie.

Der vierte Artikel widmet sich dem Krankheitsbild
der primären ziliären Dyskinesie.
Diese ist wohl eine seltene Erkrankung; aber
die Prävalenz liegt bei Kindern mit wiederholten
respiratorischen Infekten doch in der
Grössenordnung von bis zu 5%.
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns dieses
Krankheitsbildes bewusst sind. Herausstreichen
möchte ich, dass eine typische Kombination
spezifischer Symptome in der Regel auf
die PCD hinweist. Dazu gehören das neonatale
Atemnotsyndrom, rezidivierende Otitiden
und die chronische Rhinosinusitis. Mit der
nasalen NO-Messung steht in geübten Händen
ein einfacher Screening-Test zur Verfügung

Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei
allen Autoren für Ihren Einsatz für dieses
pneumologische Themenheft der Paediatrica
und natürlich bei allen Lesern für Ihr Interesse
an unserem Fachgebiet.

Weitere Informationen

Autoren/Autorinnen
Prof. Dr. med. Jürg Hammer, Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)