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Transition nierentransplantierter Jugendlicher

In der Schweiz erkranken 10–12 Kinder und Jugendliche pro Jahr an einer terminalen Niereninsuffizienz und werden nierentransplantiert1). Zugrundeliegende Krankheitsbilder sind zu je einem Drittel erworbene Erkrankungen, vererbte Krankheiten und multifaktorielle Malformationen der Nieren und ableitenden Harnwege1). Die Nierentransplantation ist die Therapie der Wahl und erfolgt entweder nach durchgeführter Langzeitdialyse (Peritonealdialyse oder Hämodialyse) oder präemptiv, d. h. ohne vorherige Dialyse. Bei der Organzuteilung wird zwischen der Lebendspende und der Verstorbenenspende unterschieden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Nierentransplantation sind ein Körpergewicht von über 10 Kilogramm und ein Alter von über 2 Jahren. Nach durchgeführter Nierentransplantation bedürfen die Kinder und Jugendlichen regelmässiger ärztlicher Kontrollen und sind zeitlebens auf die konsequente Einnahme von Immunsuppressiva angewiesen. Der chronisch niereninsuffiziente oder nierentransplantierte Adoleszente zeigt oft eine Wachstumsverzögerung mit verspätet eintretender Pubertätsentwicklung2). Trotz normaler kognitiver Entwicklung ist – bedingt durch häufige Hospitalisationen und ambulante Kontrolltermine – das Wiederholen einer Schulstufe nicht selten unumgänglich3). Somatische Unreife, Schulwiederholungen und zusätzlich häufig vorliegendes überprotektives Verhaltensmuster der Eltern führen bei den betroffenen Jugendlichen zu erhöhter psychischer Verletzbarkeit. Hauptwunsch der Jugendlichen ist es «normal zu sein», was zur Verdrängung des Krankheitsbewusstseins und Verweigerung ärztlicher Massnahmen führen kann4). Somit resultiert oft Non-Compliance, welche es zu thematisieren und diskutieren gilt und die letztlich in jedes Transitionskonzept zu implementieren ist.

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Autoren/Autorinnen
PD Dr. med.  Guido F. Laube, Leiter Nephrologie Universitäts-Kinderkliniken Zürich