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Rahmenbedingungen verbessern statt Ausbildung kürzen

Medienmitteilung vom 18. September 2026

mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz, die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) und pädiatrie schweiz lehnen ein verkürztes Medizinstudium für angehende Ärzt:innen in der Grundversorgung entschieden ab. Gerade die Grundversorgung braucht eine breite und fundierte medizinische Ausbildung: Haus- und Kinderärzt:innen sowie Allgemeininternist:innen tragen die Gesamtperspektive auf den Menschen und müssen Beschwerden über Fachgrenzen hinweg einordnen. Der Mangel in der Grundversorgung ist real – doch ihn mit weniger Ausbildung bekämpfen zu wollen, setzt am falschen Ort an. Entscheidend sind bessere Rahmenbedingungen, genügend Studien- und Weiterbildungsplätze und eine konsequente Stärkung der Grundversorgung in der Aus- und Weiterbildung.

Die Idee klingt auf den ersten Blick einfach: kürzer studieren, schneller ausbilden, mehr Ärzt:innen für die Grundversorgung gewinnen. Sie verkennt jedoch, was generalistische Medizin ausmacht. Grundversorgung ist kein medizinisches Teilgebiet mit reduziertem Wissensbedarf. Im Gegenteil: Sie verlangt den Überblick über das gesamte Spektrum der Medizin – und die Fähigkeit, dieses Wissen in sehr unterschiedlichen Situationen sicher zu einem Gesamtbild zusammenzuführen.

Ärzt:innen in der Grundversorgung sind meist die erste Anlaufstelle. Sie müssen Beschwerden einordnen, Diagnosen stellen, Behandlungen einleiten und entscheiden, wann weitere Abklärungen oder spezialärztliche Behandlungen nötig sind. Gleichzeitig begleiten sie Menschen oft über Jahre und beziehen deren medizinische, familiäre und soziale Situation in ihre Entscheidungen ein. Gerade diese Breite und Gesamtperspektive macht ihre besondere Kompetenz aus. Eine Verkürzung des Studiums würde ausgerechnet jene Grundlage schwächen, die für eine starke und effiziente Grundversorgung zentral ist.

Den Mangel beheben – nicht die Ausbildung verkürzen

In der Schweiz fehlt es an Ärzt:innen in der Grundversorgung – das ist seit vielen Jahren bekannt. Ihre Ausbildung zu verkürzen, ist keine Antwort darauf. Die entscheidenden Hebel liegen anderswo. Hier müssen Bund, Kantone und Universitäten ansetzen:

  • attraktiven Arbeits- und Tarifbedingungen
  • genügend Studienplätzen
  • eine starke akademische Verankerung der Hausarztmedizin, der Allgemeinen Inneren Medizin und der Kinder- und Jugendmedizin
  • praxisnahe Ausbildungswege
  • ausreichend finanzierte Praxisassistenz- und Weiterbildungsstellen
  • Stärkung und Finanzierung der interprofessionellen Teamarbeit

mfe, SGAIM und pädiatrie schweiz fordern seit Jahren, dass dringend Massnahmen umgesetzt werden, mehr Ärzt:innen auszubilden und die Grundversorgung in Studium und Weiterbildung gezielt zu stärken. Genau in diese Richtung weist auch die Agenda Grundversorgung des Bundes und definiert wichtige Handlungsfelder. Jetzt braucht es eine rasche und verbindliche Umsetzung.

Verkürztes Studium als Sackgasse: Flexibilität für den Nachwuchs sichern

Ein verkürzter «Schmalspur-Studiengang» dürfte auch für junge Medizinstudierende wenig attraktiv sein. Wer sich bereits zu Beginn des Studiums auf einen verkürzten Ausbildungsweg festlegt, muss eine weitreichende Berufsentscheidung treffen, bevor er oder sie die Vielfalt der medizinischen Fachrichtungen überhaupt kennengelernt hat. Ein späterer Wechsel würde erheblich erschwert oder verunmöglicht.

Gleichzeitig droht eine Zwei-Klassen-Ausbildung: Ein verkürztes Studium könnte die internationale Anerkennung und berufliche Mobilität einschränken und den Eindruck einer «Medizin light» schaffen. Das wäre das falsche Signal für einen anspruchsvollen und verantwortungsvollen Beruf. Für mfe, SGAIM und pädiatrie schweiz ist klar: Der Mangel in der Grundversorgung lässt sich nicht beheben, indem der Beruf durch einen Sonderweg abgewertet wird. Die Grundversorgung muss innerhalb der bewährten, sechsjährigen universitären Ausbildung gestärkt werden.

Grundversorgung stärken statt Qualitätsanspruch senken

Die drei Grundversorgerverbände sind offen für Reformen des Medizinstudiums und für Anpassungen in der Weiterbildung. Aber die Richtung muss stimmen: mehr Grundversorgung im Studium – nicht weniger Medizin. Die Hausarztmedizin, die Allgemeine Innere Medizin und die Kinder- und Jugendmedizin müssen früher, sichtbarer und verbindlicher im Studium verankert und die praxisnahen Weiterbildungswege gestärkt werden. Wer mehr Ärzt:innen für die Grundversorgung will, muss die Bedingungen verbessern, unter denen sie ausgebildet werden und später arbeiten – nicht ihre Ausbildung verkürzen.

Ein verkürztes Sonderstudium würde das falsche Signal setzen: dass für die Grundversorgung weniger medizinische Ausbildung genüge. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die Fähigkeit, über einzelne Organe und Fachgebiete hinauszudenken, macht das Wesen der generalistischen Medizin aus. Unsere Stärke ist die Gesamtperspektive. Dafür braucht es eine umfassende medizinische Ausbildung. Bei diesem Qualitätsanspruch darf es keine Abstriche geben.

Gemeinsam für eine starke medizinische Grundversorgung

mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz, die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM) und pädiatrie schweiz vertreten zentrale Bereiche der ärztlichen Grundversorgung. Gemeinsam setzen sie sich für eine qualitativ hochstehende, breit abgestützte und zukunftsfähige medizinische Grundversorgung in der Schweiz ein.

Weitere Informationen:

Sandra Hügli-Jost
Co-Geschäftsführerin/Kommunikation
078 920 24 05
[email protected]

www.hausaerzteschweiz.ch

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