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COVID-19 Fragen und Antworten Teil 2

Covid-19 |

Dieser Text vom 20.03.2020 wurde vor der Pressekonferenz des Bundesrates verfasst. Wir weisen nochmals darauf hin, dass die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) massgebend sind und frühere Mitteilungen der SGP hinfällig werden können.

Wie sieht die Situation aktuell im Tessin aus?

Lagebericht des Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie

Deutscher Text weiter unten

Care colleghe, cari colleghi, care amiche, cari amici,

Una situazione così difficile da affrontare che ha cambiato in pochissimo tempo le nostre abitudini di vita nessuno se lo sarebbe aspettato. Siamo confrontati a un’urgenza sanitaria unica che nessuno finora ha mai affrontato. Siamo stati catapultati in una realtà che stravolgendo le nostre vite. Tutti noi pediatri, che abbiamo a cuore il benessere dei bambini e anche delle loro famiglie, dobbiamo essere pronti a offrire loro un servizio di sostegno fatto di informazioni chiare e rassicuranti. Fortunatamente il Covid19 non causa grossi problemi ai bambini, ma l’impatto psicologico  su tutto il nucleo famigliare è grande.

In Ticino siamo stati i primi, a livello svizzero, ad essere travolti da questo tsunami sanitario. Nessuno avrebbe immaginato che il virus si sarebbe diffuso così velocemente e in modo così drammatico. Sull’arco di tre settimane la sanità ticinesi ha rivoluzionato in modo radicale le sue strutture ospedaliere, preparando l’ospedale di Locarno e poi la clinica di Moncucco, in strutture adibite al Covid 19. In una giornata abbiamo svuotato il reparto di pediatria di Locarno portando tutta l’attività a Bellinzona. Oggi queste stanze ci sono adulti Covid19 positivi che necessitano di cure intensive. Gli ospedali sono in trincea nessuno entra a parte i malati e il personale. All’esterno gli spazi sono stati occupati da tende della protezione civile e militare. E’ un continuo via vai  di ambulanze.

A livello pediatrico ciò che viene osservato sul territorio è una diminuzione di consulti nello studio, rimane però fondamentale la vicinanza con le famiglie tramite “il lavoro telefonico”. Le famiglie collaborano e accettano di rimanere a casa se la sintomatologia non e grave ed è gestibile a domicilio. L’attività nello studio si è riorganizzata: al mattino ci sono consulti dedicati ai controlli per i bambini sotto i due anni per garantire il piano vaccinale, mentre le urgenze sono al pomeriggio.

A livello ospedaliero l’attività è ridotta alle urgenze, abbiamo bambini Covid19 positivi che presentano sintomatologie variegate, ma fortunatamente non gravi. Tutto quello che è elettivo e ambulatoriale è stato sospeso. Anche in questo caso il telefono è diventato un modo per essere vicini ai nostri pazienti.

Se la sanità ha saputo organizzarsi in poco tempo per cercare di frenare l’avanzata di questo tsunami, ciò che lascia molto perplessi è la reazione dell’opinione pubblica, che fatica a modificare in modo drastico le proprie abitudine di vita. Dobbiamo fare la nostra parte per far capire alle famiglie che bisogna rimanere a casa e che ogni contagio evitato potrà forse permettere di evitare il collasso delle nostre strutture sanitarie. Certo è difficile non poter permettere ai bambini di andare al parco giochi, di frequentare gli amichetti, ma se vogliamo riuscire a superare questa calamità tutti dobbiamo fare la nostra parte e la solidarietà sanitaria farà la differenza.

Da parte nostra cercheremo di tenervi informati quotidianamente con la nostra newsletter.

Un caro saluto, Gian Paolo Ramelli


Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wir befinden uns heute in einer Krisensituation, die uns alle vor grosse Herausforderungen stellt und die wir nicht in so kurzer Zeit erwartet haben. Niemand von uns war je mit einem solchen Gesundheitsnotstand konfrontiert. Unvermittelt wurden wir in eine Realität katapultiert, die unser aller Leben auf den Kopf gestellt hat. Wir alle, denen das Wohlergehen der Kinder und ihrer Familien am Herzen liegt, müssen bereit sein, ihnen die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Glücklicherweise bereitet Covid19 den Kindern keine größeren Probleme, aber die psychologischen Auswirkungen auf die ganze Familie sind groß. Klare und beruhigende Informationen sind gefragt.

Im Tessin waren wir die ersten in der Schweiz, die von diesem Gesundheitstsunami überrollt worden sind. Niemand hätte sich vorstellen können, dass sich das Virus so schnell und so dramatisch ausbreiten würde. Innerhalb von drei Wochen änderte das Tessiner Gesundheitswesen seine Spitalstruktur radikal und bereitete das Spital in Locarno und dann die Klinik in Moncucco für Covid 19 vor. An einem einzigen Tag leerten wir die Kinderstation in Locarno und brachten die gesamte Infrastruktur nach Bellinzona. Heute befinden sich in den so geleerten Räumen positive Covid19 Erwachsene, die Intensivpflege benötigen. Die Spitäler werden ausschliesslich von den Patienten und dem Personal betreten. Außerhalb der Gebäude wurden zivile und militärische Schutzzelte aufgestellt. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen von Ambulanzen.

Die pädiatrischen Konsultationen in der Praxis sind stark zurückgegangen, der enge Kontakt zu den Familien wird per Telefon aufrechterhalten, was bei nicht schwerwiegenden Symptomen gut funktioniert. Die Akzeptanz und die Zusammenarbeit mit den Familien ist sehr gut. Der Praxisalltag wurde neu organisiert: Am Vormittag werden Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen hauptsächlich für Kinder unter zwei Jahren durchgeführt, um den Impfplan zu gewährleisten, während am Nachmittag die dringlichen Konsultationen stattfinden. Auf Spitalebene wird die Aktivität auf Notfälle reduziert. Wir haben Covid19 positive Kinder mit unterschiedlichen, aber glücklicherweise nicht ernsthaften Symptomen. Das gesamte ambulante Angebot ist aufgehoben worden. Auch im Spital erfolgt der Kontakt mit den Familien per Telefon.

Das Gesundheitswesen hat bewiesen, dass es alles in seiner Macht Stehende tut, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Umso unverständlicher ist die Reaktion desjenigen Teils der Bevölkerung, der sich weigert, die Gewohnheiten zu ändern. Wir müssen mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die Massnahmen des Bundes strikt zu befolgen sind und dass jede vermiedene Ansteckung dazu beiträgt, den Zusammenbruch unserer Gesundheitseinrichtungen zu vermeiden. Natürlich ist es schwierig, Kindern nicht zu erlauben, auf den Spielplatz zu gehen oder sich mit Freunden zu treffen, aber wenn wir diese Katastrophe überstehen wollen, müssen wir alle unseren Teil dazu beitragen. Die Solidarität aller wird es ausmachen.

Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie wird versuchen, Sie täglich mit unserem Newsletter auf dem Laufenden zu halten.

Mit kollegialen Grüssen, Gian Paolo Ramelli

Muss ich strenger selektionieren, welche Patienten mit akuter Atemwegserkrankung ich zur Hospitalisation zuweise?

Nein! Selektionieren Sie so, wie Sie es üblicherweise praktizieren, damit die sichere Versorgung Ihrer Patienten garantiert ist. Im Einzelfall lässt sich COVID-19 klinisch nicht von anderen viralen Atemwegsinfektionen unterscheiden (s. z.B. Gong Y, Pediatrics, 2020) und Ko-Infektion mit anderen Erregern sind möglich. Die Influenzasaison ist zwar am Abklingen, aber RSV zirkuliert weiterhin, ebenso z.B. Parainfuenza oder hMPV als häufige Verursacher von hospitalisationsbedürftigen obstruktiven Bronchitiden/Bronchiolitiden.

Die Kinderspitäler der Schweiz verfügen gegenwärtig über genügend Ressourcen für alle Notfallhospitalisationen.

Muss ich ein Neugeborenes wirklich von seinen Eltern trennen?

Die bisher verfügbaren Daten zeigen, dass Neugeborene zwar von COVID-19 positiven Müttern infiziert werden können, aber nicht oder milde erkranken. Deshalb empfehlen die SGGG und die WHO keine Trennung. Das ist für gesunde Mutter/Kind Paare sinnvoll. Für kranke Früh- und Neugeborene, die auf einer Neonatologie hospitalisiert werden müssen, gibt es zusätzliche Herausforderungen. Es ist entscheidend wichtig, dass das knappe spezialisierte Personal nicht durch Ansteckungen dezimiert wird. Zudem sind IMC und neonatale Intensivstationen meist Grossraumeinheiten mit mehreren Patientenplätzen und sehr viel Personen- und Materialverkehr. Deshalb ist sind die strengen Vorgaben der Spitalhygieneteams vor Ort einzuhalten, auch wenn Trennungen für betroffene Familien einschneidende Massnahmen sind.

Gibt es Empfehlungen bezüglich Triage der Patienten? Welche Patienten soll ich kommen lassen? Welche Patienten kann ich per Telefon beraten?

Es ist wichtig, dass trotz COVID-19 alle pädiatrischen Notfallpatienten korrekt triagiert werden, damit nicht «Kollateralmorbidität/-mortalität» entsteht. Die SGP empfiehlt, dass nach den üblichen Telefonkriterien, die in der jeweiligen Praxis zur Anwendung kommen, triagiert wird. Kinder mit respiratorischen Erkrankungen können sich rasch verschlechtern, ungeachtet des auslösenden Erregers. Es ist sicher zu stellen, dass die bedarfsgerechte persönliche Beurteilung von Notfallpatienten durch die Kinderärztin/den Kinderarzt weiterhin funktioniert.

Gibt es bereits ein Szenario, was wir in der Kinderarztpraxis grundversorgen sollten, falls es zu einer Ausgangssperre kommt?

Das ist eine wichtige Frage, auf die es gegenwärtig keine Antwort gibt. Die bereits publizierte Empfehlung über Impf- und Vorsorgetermine vom 16. März 2020 wurde in Absprache mit dem BAG formuliert. Allfällige Änderungen werden so rasch wie möglich kommuniziert.

Temporäre Stellenbörse von Kinderärzte Schweiz

Kinderärzte Schweiz bietet seit heute eine temporäre Stellenbörse an. Originaltext Kinderärzte Schweiz: Während der COVID-19 Pandemie sind viele Praxen und Spitäler extrem gefordert: während an einigen Praxen die Arbeit wegbricht, können sich Kolleg*innen an anderen Orten kaum vor Arbeit retten. Mit dieser temporären Stellenbörse wollen wir die Pädiatrie am Laufen halten. Es dürfen sich alle pädiatrischen Fachpersonen und Praxen sowie Spitäler kostenfrei und unabhängig von einer KIS Mitgliedschaft registrieren, wenn sie temporäre Einsätze benötigen oder anbieten können. Schnell, gratis und solidarisch – im Sinn der Sache. Bitte Ihre Stelleninserate ausformuliert per E-Mail senden an: daniel.brandl@kinderaerzteschweiz.ch Vielen Dank.

Die SGP dankt Kinderärzte Schweiz für dieses Angebot, das für pädiatrische Fachpersonen aus der ganzen Schweiz und aller Sprachregionen gilt und auch den SGP-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung steht.