Vor nunmehr 30 Jahren wurde die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung gegründet. Seither hat sich vieles verändert: Damals wurde noch mit dem «Spion» endoskopiert und die eosinophile Ösophagitis (EoE) war gerade erst als eigene Krankheitsentität anerkannt worden. Anderes ist hingegen gleich geblieben – etwa die Bedeutung des persönlichen und fachlichen Austauschs, das Engagement für die Weiterentwicklung diagnostischer und therapeutischer Ansätze sowie der Einsatz für die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.
Den Geburtstag unserer Gesellschaft möchten wir zum Anlass nehmen, Ihnen in diesem Themenheft anhand von Übersichtsarbeiten zu ausgewählten Krankheitsbildern Einblicke in das breite Spektrum unserer Subspezialisierung zu geben und das Bewusstsein für diese Erkrankungen weiter zu schärfen.
• Essauffälligkeiten und EoE: Essauffälligkeiten können auf eine ösophageale Dysfunktion hinweisen und sollten differenzialdiagnostisch an eine EoE denken lassen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie kann das Risiko fibrostenotischer Komplikationen senken. Derzeit entsteht eine nationale pädiatrische EoE-Kohorte, die aktuelle epidemiologische Daten liefern und durch die systematische Erfassung relevanter Variablen zur Standardisierung und Optimierung der Versorgung beitragen wird.
• Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED): CED nehmen im Kindesalter weltweit zu, verlaufen oft schwerer und sind ausgedehnter als bei Erwachsenen. Therapieentscheidungen orientieren sich daher zunehmend am individuellen Phänotyp und Risikoprofil. Die Behandlung folgt immer stärker einer treat-to-target-Strategie wobei neue biologische Antikörper und kleine Moleküle frühzeitiger eingesetzt werden. Die häufig notwendige Off-Label-Anwendung moderner Therapien – bedingt durch teils jahrelange Zulassungsverzögerungen – stellt in diesem Zusammenhang eine oft diskutierte Benachteiligung von Kindern dar.
• Auffällige Leberwerte im Kindesalter: Erhöhte Transaminasen weisen auf eine Hepatitis (Zytolyse) hin, während erhöhte Bilirubin- und/oder Gamma-Glutamyltransferase-Werte Zeichen einer Cholestase sind. Die vorgestellten strukturierten Abklärungsstrategien ermöglichen eine rasche Unterscheidung zwischen transienten, harmlosen Veränderungen und chronischen Schädigungen und erlauben es, je nach Kontext, zielgerichtete weitere Diagnostik und Therapie einzuleiten.
• Gut-Brain-Axis und Motilitätsstörungen: Die Bedeutung der Gut-Brain-Axis ist in den letzten Jahren stark gewachsen und eng mit gastrointestinalen Motilitätsstörungen verknüpft. Bei Verdacht auf eine Motilitätsstörung können erste Abklärungen in der kinder- oder hausärztlichen Praxis erfolgen; spezialisierte Funktionsdiagnostik wie pH-Impedanzmessung oder Manometrie bleibt spezialisierten Zentren vorbehalten. Ein Grundwissen über diese Verfahren hilft, deren Aussagekraft im Gesamtbild der Beschwerden richtig einzuordnen.
• Ernährung: Eine Übersicht zu aktuellen Fragen rund um eine gesunde Ernährung schliesst dieses Heft ab und zeigt eindrücklich, wie Ernährungsansichten und -gewohnheiten für jedes Lebensalter geprägt werden. Für uns Kinderärztinnen und Kinderärzte ergibt sich daraus zunehmend die Verpflichtung, auch gesunde Kinder und ihre Familien fundiert und verständlich zu diesem Thema zu beraten.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und danke allen Autor:innen für ihre Beiträge, sowie Dr. Luca Garzoni für die Organisation und wissenschaftliche Leitung dieser Ausgabe.
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