Fachzeitschrift

Duplik zum Artikel von Prof. Urs Eiholzer

Der Originalartikel wurde auf Französisch verfasst.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass in den beiden von Prof. Eiholzer angeführten Publikationen einige Daten zum BMI von Kindern zwischen 0 und 5 Jahren genannt werden und erkennen die wissenschaftliche Qualität dieser Studien an(1, 2). Ziel unseres Artikels war es, die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen auf nationaler Ebene darzustellen, wie sie vom Bundesamt für Gesundheit(3) und von der Gesundheitsförderung Schweiz(4) veröffentlicht wurden, und nicht die differierenden Prävalenzen der verwendeten Referenzkurven. Wir haben in unserem Artikel erwähnt, dass die in der Schweiz veröffentlichten «Prävalenzen wahrscheinlich unterbewertet sind, da sie auf Grundlage der höher festgelegten Referenzwerte von Cole et al.(5) berechnet wurden und nicht anhand der von der WHO festgelegten Grenzwerte und den Perzentilenkurven, die in der Schweiz als Referenz verwendet werden»(6). Zudem zeigen die beiden von Prof. Eiholzer zitierten Publikationen keine Daten zur Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in der Altersgruppe von 0 bis 5 Jahren und enthalten hauptsächlich Daten aus den Regionen Zürich, Zentral- und Ostschweiz, die auf nationaler Ebene nicht repräsentativ sind.

Die zweite Publikation, auf die Prof. Eiholzer Bezug nimmt, befasst sich mit der elterlichen Herkunft als Risikofaktor für Adipositas bei Kindern in der Schweiz(2), ein Ergebnis, das bereits in der ersten Publikation(1) erwähnt wurde. Wir anerkennen die Qualität dieser Arbeit und ihre Bedeutung für das Gesundheitswesen im Hinblick auf verstärkte Massnahmen im Rahmen der Primärprävention. Allerdings ist anzumerken, dass eine Querschnittsanalyse keine Kausalität nachweisen kann, sondern dass der Zusammenhang zwischen Adipositas bei den Kindern und dem Herkunftsland der Eltern lediglich einen Zusammenhang innerhalb der ausgewählten Stichprobe aufzeigt. Unser Artikel richtet sich, wie die anderen in der Sonderausgabe veröffentlichten Artikel, an die behandelnden Kinderärzt:innen. Wir sind der Ansicht, dass die Betreuung und Behandlung adipöser Kinder oder Jugendlicher sich nicht nach dem Herkunftsland der Eltern richten sollte, auch wenn soziokulturelle Aspekte zu berücksichtigen sind, um mögliche günstige und ungünstige Einflussfaktoren auszumachen. Mit Fragen von Migration und Gesundheit hingegen befassen sich die zuständigen gesundheitspolitischen Akteure.

Referenzen

  1. Eiholzer U, Fritz C, Katschnig C, Dinkelmann R, Stephan A. Contemporary height, weight and body mass index references for children aged 0 to adulthood in Switzerland compared to the Prader reference, WHO and neighbouring countries. Ann Hum Biol. 2019;46(6):437-47.
  2. Eiholzer U, Fritz C, Stephan A. The increase in child obesity in Switzerland is mainly due to migration from Southern Europe – a cross-sectional study. BMC Public Health. 2021;21(1):243.
  3. Obsan. Übergewicht und Adipositas (Alter: 6–12) 2023 [Abrufbar unter: https://ind.obsan.admin.ch/indicator/monam/uebergewicht-und-adipositas-alter-6-12.
  4. Gesundheitsförderung Schweiz. Rückgang von Übergewicht in der Basisstufe, soziale Unterschiede bleiben bestehen. 2024 [Abrufbar unter: https://gesundheitsfoerderung.ch/medien/medienmitteilungen/rueckgang-von-uebergewicht-in-der-basisstufe-soziale-unterschiede-bleiben-bestehen.
  5. Cole TJ, Bellizzi MC, Flegal KM, Dietz WH. Establishing a standard definition for child overweight and obesity worldwide: international survey. BMJ. 2000;320(7244):1240–3.
  6. Braegger CJOK, D.; Molinari, L. . Neue Wachstumskurven für die Schweiz, Arbeitsgruppe Wachstumskurven des Kinderspitals Zürich. Paediatrica. 2011;22(1):9–11.

Weitere Informationen

Übersetzer
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Korrespondenz

Autor:innen

  • Dr med. Nathalie J. Farpour-Lambert
    Programme Contrepoids, Unité d’éducation thérapeutique pour maladies chroniques, Département de médecine de premier recours, HUG, Genève
  • PD Dr. med. Christoph Saner
    Medizinische Universitätskinderklinik, Abteilung für pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Inselspital, Bern
  • Dr. med. Marco Janner
    Medizinische Universitätskinderklinik, Abteilung für pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel, Inselspital, Bern
  • PD Dr. med. Tanja Karen
    Kinderspital und Adipositaszentrum Zentralschweiz, Luzerner Kantonsspital
  • Prof. Dr. med. Dagmar l’Allemand
    Association obésité de l'enfant et de l'adolescent - Fachverband Adipositas im Kindes- und Jugendalter akj, Baden