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Paediatrica – Vergangenheit und Zukunft

Paediatrica feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.

Paediatrica feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie, 1902 gegründet1), hatte von 1945 bis 1988 mit der von Guido Fanconi ins Leben gerufenen Helvetica Paediatrica Acta (HPA), eine Zeitschrift von hohem wissenschaftlichem Niveau, die sich zum Ziel setzte, jungen Forschern die Gelegenheit zu geben, wissenschaftlichen Arbeiten zu publizieren. Ab 1970, mit der Nummer 25, führt die Zeitschrift die Erwähnung offizielles Organ der SGP und vermittelt die Protokolle der jährlichen Generalversammlungen. 1975 beschliesst die SGP, das Abonnieren der Zeitschrift als nicht mehr obligatorisch zu erklären: Von den damals 300 Mitgliedern führten nur 100 ihr Abonnement weiter, was das Überleben der Zeitschrift in Frage stellte. 1988 wurden die HPA in’s European Journal of Pediatrics eingegliedert. Die Entwicklung der Zeitschrift wiederspiegelte die Entwicklung der Fachgesellschaft: Die grosse pädiatrische Familie zerstreute sich mit dem Entstehen zahlreicher Spezialfächer, deren internationale Zeitschriften das „allgemeinärztliche“ Journal konkurrenzierten.

Es wurde jedoch bald offensichtlich, dass ein SGP-internes Informationsorgan fehlte, um die Bande unter den Mitgliedern der verschiedenen Sprachregionen aufrecht zu erhalten und sie über die Arbeit von Kommissionen und Arbeits- und Interessengruppen zu informieren.

Dies führte die SGP unter dem Präsidium von Othmar Tönz dazu, 1989 Paediatrica zu gründen, ein Mitteilungsblatt das in erster Linie ein internes Informationsorgan der SGP sein sollte. Die Zeitschrift enthielt verschiedene Rubriken und Zusammenfassungen von Fortbildungsartikeln, mit einem Gesamtumfang von 40 Seiten und 4 jährlichen Ausgaben. Als Beteiligung an den Produktionskosten erhöhte die SGP den Mitgliederbeitrag um 20 Franken. Eine 1992 unter den Lesern gestartete Umfrage2) ergab, dass ein grosses Interesse für die Rubriken aktuelle Pädiatrie und Fragen an den Spezialisten bestand, und dass viele die Paediatrica als Fortbildungszeitschrift betrachteten – was nicht das anfängliche Ziel war, indem Fortbildungsartikel weitgehend fehlten.

Ulrich Lips war von 1989 bis 1995 der erste Chefredaktor, gefolgt von Pierre Klauser 1995 bis 1999 und René Tabin 1999 bis 2017.

Die Zeitschrift erlebte eine regelmässige Ausweitung, die Anzahl Artikel, die Seitenzahl pro Ausgabe und die Anzahl Ausgaben (bis 6 jährlich) nahmen zu. Das Interesse der Leser für Fortbildungsartikel motivierte uns, diese Rubrik auszubauen, mit der Publikation von Therapieempfehlungen, der Schaffung thematischer Nummern, der Erweiterung der Rubrik Fragen an den Spezialisten, des FMH-Quiz usw. Es wurde – dem Wunsch der Leser entsprechend – für eine systematische Übersetzung der Artikel auf Deutsch bzw. Französisch gesorgt, was schliesslich ab 2011 zur Herausgabe von zwei vollständig getrennten, französisch- und deutschsprachigen Ausgaben führte.

Am 17.12.2014 erteilte der Vorstand der SGP dem Redaktionskomitee das offizielle Mandat, Paediatrica zum Fortbildungsorgan der Kinderärztinnen und Kinderärzte zu machen.

In finanzieller Hinsicht war die Zeitschrift dank den Inseraten der pharmazeutischen Firmen während vielen Jahren gewinnbringend. Mit den Jahren nahmen die Werbebeiträge jedoch stark ab und die Publikation der Zeitschrift wurde defizitär. Die Einschränkung der jährlichen Ausgaben auf 5, dann 4, erlaubte es jedoch nicht, das Defizit wesentlich zu verringern.

Der Aufbau und die Entwicklung der Internetseite machte diese zu einem wichtigen Kommunikationsmittel unter Kinderärztinnen und Kinderärzten. Paediatrica fand dort seit den Anfängen ihren Platz, dank freiem Zugang zu den verschiedenen Nummern und Referenzierung der Artikel durch die Suchmaschinen, was ein leichtes und rasches Finden ermöglicht (ab 2001).

Paediatrica – welche Zukunft?

Paediatrica wird, in enger Verknüpfung mit der SGP-Internetseite und dem Newsletter, weiterhin Informationsorgan der SGP sein. Paediatrica wird ebenfalls eine Fortbildungszeitschrift verbleiben, insbesondere durch die thematischen Nummern. Es finden sich dort vor allem an die Praxispädiater gerichtete Artikel allgemeiner Pädiatrie. Durch die thematischen Nummern können sich die Kinderkliniken der Schweiz mit ihren besonderen Kompetenzbereichen vorstellen. Es wäre sehr wünschenswert, eine Indexierung der Zeitschrift in MEDLINE/Pubmed zu erreichen, wobei es verschiedene Bedingungen zu erfüllen gilt, u.a. Zusammenfassungen der Artikel auf Englisch.

Der Internetzugang spielt auch bei der Fortbildung eine wichtige Rolle, da damit ergänzende Informationen zu den geschriebenen Texten möglich sind (Videos, bewegte Darstellungen, Töne und Geräusche usw.), Mittel die bereits verwendet werden aber noch weiterentwickelt werden können. Möglich sind ebenfalls Diskussionsforen.

Die Forschung soll weiterhin vertreten sein, um über laufende Projekte und Resultate zu informieren.

Wesentlich ist das Aufrechterhalten der Beziehung zu den Fachspezialitäten, damit diese sich nicht nur vorstellen, sondern auch ihre Forschungen und spezifischen Tätigkeitsgebiete darlegen können.

Die übrigen pädiatrischen Fachgesellschaften haben keine spezifischen Fachzeitschriften und könnten Paediatrica ebenfalls als Informationsorgan für die Pädiater ihres Spezialfaches nutzen.

Kinderärztinnen und Kinderärzte in Weiterbildung erhalten Paediatrica als Assistentenmitglieder der SGP kostenlos; sie finden dort Auskünfte zu Fragen zur Weiterbildung in Pädiatrie und zur FMH-Prüfung sowie Informationen die schweizerische Pädiatrie und ihre Interessengebiete betreffend. Das Vorhaben in Paediatrica die Zusammenfassungen der für die Jahresversammlung geplanten Vorträge zu publizieren, scheint mir interessant, da uns diese Zusammenfassungen in Swiss Medical Weekly in den letzten Jahren erst nach dem Kongress zugestellt wurde, was eine entsprechende Vorbereitung unmöglich machte.

Ich halte die Finanzierung ausschliesslich durch die Mitgliederbeiträge für erstrebenswert, da uns dies von der Abhängigkeit von der Industrie befreit und uns nicht nur mehr Freiheit bei der Wahl der Beiträge lässt, sondern auch in der Art und Weise sie zu verfassen.

In einer wachsenden und sich mehr und mehr diversifizierenden pädiatrischen Fachgesellschaft sollte Paediatrica in Zukunft ein wichtiges Mittel verbleiben, das die Mitglieder rund um ihre Interessengebiete vereinigt; ich wünsche ihr ein erfolgreiches Wachstum und eine harmonische Entwicklung!

Referenzen

1) Paediatrica 2001 (06), suppl ; 12 :13-14
2) Paediatrica 1992 (03) ;3 : 3-4

Zum Autor

Praxispädiater. Ehemaliger Chefredaktor der Paediatrica. Ehemaliger Professor an der Universität Genf. Ehemaliger Chefarzt der medizinisch-chirurgischen Abteilung für Pädiatrie am Spital Wallis.

Der Inhalt dieses Artikels widerspiegelt die Auffassung des Autors und deckt sich nicht zwingend mit der Meinung der Redaktion oder der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie.

Weitere Informationen

Übersetzer:
Rudolf Schlaepfer
Korrespondenz:
Autoren/Autorinnen
Prof. Dr med. René Tabin, Venthône