Jahresbericht 2025
Mitglieder der Referenzgruppe Migration 2025
Sarah Depallens, Bodil Le Forestier, Fabienne Jäger (Leitung), Nicole Pellaud, Nicole Ritz, Noémie Wagner
Ins Leben gerufen, um Kompetenz im Bereich Kinder- und Jugendmigrationsgesundheit zu bündeln, ist es ein Hauptanliegen der Referenzgruppe Migration von pädiatrie schweiz, unseren Kolleg:innen nützliche Hilfestellung in der medizinischen Betreuung und Begleitung von Migranten-Kindern und Jugendlichen zu geben. Ebenso setzen wir uns für eine gute Gesundheitsversorgung dieser Kinder und Jugendlichen ein, vernetzen, beantworten Fragen, unterstützen Forschung und geben auf Wunsch Fortbildungen im Bereich Migrationspädiatrie. Wir identifizieren relevante Themen und nehmen uns Anliegen im Bereich Migrationsgesundheit an, die an uns herangetragen werden.
Kinder, die selbst oder deren Eltern migriert sind, haben je nach Herkunft, Umstände der Migration und ihrer Situation hier in der Schweiz, unterschiedliche Voraussetzungen, Gesundheitsrisiken und Gesundheitsbedürfnisse. Bei asylsuchenden Kindern und Jugendlichen ist dies durch zusätzliche erschwerende Umstände, oft noch akzentuiert (u.a. Erleben von Gewalt, Flucht unter prekären Bedingungen, unsicherer Aufenthalt). Dennoch haben viele Kinder aus z.B. tropischen Ländern andere Gesundheitsrisiken, selbst wenn sie in sozio-ökonomisch favorablen Umständen in der Schweiz sind. Ein frühzeitiges Erfassen und Behandeln von übertragbaren Krankheiten, Nachholen fehlender Impfdosen, und frühes Behandeln von Gesundheitsproblemen, ist nicht nur für das Kind bez. Jugendlichen und seine Familie relevant, sondern auch wichtig für eine langfristig erfolgreiche Integration und für die Allgemeingesundheit in der Schweiz. Viele Länder empfehlen darum für Kinder, die länger in ihrem Land verweilen, Eintrittsuntersuchungen. Wir haben die Literatur durchforstet und auch die eigenen Erfahrungen und nicht publizierte interne Zahlen in die Erarbeitung einer neuen Indikationsliste und einer Checkliste für Kinder neu in der Schweiz einfliessen lassen. Die Items wurden in der Gruppe diskutiert und am Schluss wurde abgestimmt. Auch haben wir Expertenmeinungen eingeholt – Danke allen, die Mitgeholfen haben. Beides ist auf der Webpage von paediatrie schweiz einsehbar:
Im Bereich Asyl wären solche Check-ups für Kinder, die den Kantonen zugeteilt sind, wünschenswert, denn Gesundheitsprobleme, inkl. im Bereich Entwicklung, Psyche, Infektiologie, Traumatologie, Zähne etc. sind recht häufig, und das Wissen um gesundheitsförderndes Verhalten nicht immer gut. Je nach Herkunft wurde noch nie der Visus oder das Gehör kontrolliert. Gewisse Länder impfen Masern isoliert und die zweite Dosis oft später als wir, andere Impfungen werden gar nicht angeboten oder die Impfabstände sind ungenügend, etc. Die Indikationsliste gibt aber auch Hinweise, was für ein krankes Kind im Bundesasylzentrum relevant sein könnte. Wichtig, egal auf welchem Niveau (Bund oder Kanton) und mit welchem Aufenthaltsstatus, ist das rasche Erfassen eines akuten Handlungsbedarfs im Sinne akuter Krankheit, dringendem Medikamenten- /Therapiebedarf für eine chronische Krankheit und Selbst- oder Fremdgefährdung (inkl. Tuberkulose). Bei Fieber und Aufenthalt in einem Malariagebiet innert 1 Jahr ist, z.B. immer auch an diese Krankheit differenzialdiagnostisch zu denken.
Die Rubrik Migration der Webpage von paediatrie schweiz erhält nützliche Informationen im Zusammenhang mit Migration und Asyl. Sie wurde 2025 ebenfalls erneuert. Migration – pädiatrie schweiz.
Die Umfrage betreffend der Versorgung Schutz suchender Kinder- und Jugendlichen aus der Ukraine wurde in einem peer reviewed journal akzeptiert. Die Umfrage hatte erfreulicherweise gezeigt, dass die Empfehlungen betreffend der Gesundheitsversorgung von Ukrainischen Flüchtenden, bekannt waren und insbesondere im Bereich Impfen wirklich gut umgesetzt wurde, aber auch, dass Präventionsarbeit vernachlässigt wird, was angesichts der Sprachbarrieren und mangelnder Zeit – nicht erstaunlich ist. Wir werden uns weiter für eine Kostenübernahme von Dolmetscher Einsätzen starkmachen, wenn die Kommunikation, selbst mit modernen Hilfsmitteln, ungenügend möglich ist. So war ein Mitglied auch 2025 erneut bei einem Austausch mit Politikern dabei, um aufzuzeigen, wie relevant eine gute Verständigung ist, damit eine kosten-effiziente, qualitativ adäquate Medizin möglich ist. Jenen, die an der Umfrage teilgenommen haben, ein herzliches Dankeschön.
Für Inputs, Rückmeldungen und Wünsche ist die Gruppe sehr offen: [email protected] oder via das Sekretariat von pädiatrie schweiz. [email protected]
Mitglieder der Referenzgruppe Migration 2025
Sarah Depallens, Bodil Le Forestier, Fabienne Jäger (Leitung), Nicole Pellaud, Nicole Ritz, Noémie Wagner
Aktuelles
Neuer Ukrainischer Impfplan
Die Impfempfehlungen in der Ukraine haben sich zu Beginn des Jahres geändert. Neu gehören Rota-Impfungen für Säuglinge dazu, die MMR-Impfungen werden nicht mehr erst mit sechs sondern mit drei Jahren empfohlen. Polio wird nicht mehr oral geimpft. Men AWYC wird ebenfalls geimpft und auch HPV findet sich neu für Jugendliche auf dem Plan. Dies zu wissen ist hilfreich, da Ukrainer oft Impfungen, die auch zu Hause vorgesehen sind, eher annehmen.
Vaccination schedule (Ukrainian) | Rijksvaccinatieprogramma.nl
Gern machen wir auch nochmals auf die Doppelseite Migration in der Mitte des Gesundheitshefts aufmerksam.